Krise? Welche Krise?
Im Jahr sechs nach Beginn der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise geht es mit der russischen Bauindustrie weiter aufwärts. Darauf deuten aktuelle Zahlen und Analysen der staatlichen Statistikbehörde Rosstat hin: Nach dem Einbruch in den Krisenjahren konnte das Volumen an fertiggestellter Gebäudefläche 2013 deutlich gesteigert werden. Mit rund 70 Mio. m2 erreichte es den höchsten Stand seit dem Ende der Sowjetunion. Die russische Fertigteilbranche produzierte in 2013 etwa 27 Mio. m3 Fertigteile und damit rund 7,4 % mehr als im Vorjahr 2012. Wohl gemerkt: Das sind Fertigteile für Gebäude, die in den Jahren 2013 bis 2015 fertig gestellt werden dürften.
Mit Blick auf die Zahlen hellen sich die Gesichtszüge der Vertreter der russischen Bauindustrie auf: Ihre Zuversicht nahm im ersten und zweiten Quartal 2014 deutlich zu. Und auch US-amerikanische und europäische Maschinen- und Anlagenhersteller sowie Zulieferfirmen dürften zufrieden sein – im Jahr 2013 wurden in Russland Anlagen für die Fertigteil-Herstellung in Betrieb genommen mit einem Produktionsvolumen von insgesamt rund 301.000 m3 Betonfertigteilen; seit dem Jahr 2000 wurde dieser Wert nur in einem Jahr übertroffen.
Alles prima also? Einen dunklen Schatten auf die rosa Brille wirft die politische Krise. Auf die militärische Aggression Russlands reagierten die westlichen Staaten mit Sanktionen und Einreiseverboten. Die beiden Seiten ringen um die Ukraine, die die EU genauso gern gewinnen will wie Russland sie zum Teil der gerade gegründeten Eurasischen Wirtschaftsunion machen möchte. Wird sich die Krise auch negativ auf die Bauindustrie auswirken? Wohl eher nicht. Ein Seismograph für die tatsächliche Stimmung kann die Messe STT (kyrillisch: CTT) Anfang Juni in Moskau sein.