Re-Use statt Re-Cycling: Wiederverwendung von Deckenplatten am Beispiel Spannbetonhohldiele
Gemeinsam mit dem Bundesverband Spannbeton-Fertigdecken e. V. hat das Fachgebiet Massivbau und Baukonstruktion der RPTU ein Forschungsprojekt zur Wiederverwendung von Spannbetonhohldielen durchgeführt. Ziel der vergleichenden experimentellen Untersuchung neuer als auch rückgebauter Spannbetonhohldielen war die Bewertung der Wiederverwendbarkeit der Deckenfertigteile. Durch die Firma Kastell GmbH wurde zunächst eine Musterdeckenfläche aus acht Spannbetonhohldielen mit Ringanker erstellt, die nach 69-tägiger Belastung (5 kN/m²) rückgebaut wurde. Alternativ zum konventionellen Verguss der Längsfugen zwischen den Spannbetonhohldielen wurden Verbindungen wie beispielsweise Schubtaschen oder ein Verguss inklusive vorheriger Behandlung mit Schalöl im Sinne einer erleichterten Reversibilität erprobt. Dies verbesserte die Eignung zum schadfreien Rückbau deutlich.
Vier der rückgebauten Spannbetonhohldielen wurden zusammen mit drei unbelasteten Bauteilen der gleichen Produktionscharge im Labor für Konstruktiven Ingenieurbau der RPTU in Vierpunktbiegeversuchen experimentell untersucht. Oberhalb des rechnerischen Grenzzustandes der Tragfähigkeit wiesen die rückgebauten Hohldielen verglichen mit ihren erstbelasteten Äquivalenten eine etwas geringere Biegesteifigkeit auf und versagten zudem unter geringeren Lasten bei verringerten Durchbiegungen. Die Ursachen dieser Differenzen bieten neben der Optimierung lösbarer Verbindungen weiteren Raum für anknüpfende Untersuchungen. Da diese Abweichungen im Tragverhalten jedoch erst oberhalb der rechnerischen Tragfähigkeit auftraten, attestieren die durchgeführten Prüfungen Spannbetonhohldielen ein grundlegendes Potenzial zur Wiederverwendung auf Bauteilebene.